Ribnitz-Damgarten – Mecklenburg-Western Pomerania (German)

Location: Mecklenburg-Western Pomerania
About this community: Das mecklenburgische Ribnitz wird 1210 erstmals urkundlich erwähnt und hat 1223 das Stadtrecht erhalten. Damgarten wird 1225 erstmalig urkundlich erwähnt. Dieser westlichste Ort des ehemaligen Herzogtums Pommern, vormals eine slawische Siedlung, erhielt 1258 das Stadtrecht. Die Recknitz trennte als Grenzfluss, viele Jahrhunderte hindurch, die beiden Orte. Die wechselnde Herrschaft über Pommern, von 1648 bis 1815 war sie schwedisch, danach preußisch, schuf für Damgarten andere politische Verhältnisse als im mecklenburgischen Ribnitz. Ende des 15. Jahrhunderts (also nach der Vertreibung der Juden aus Mecklenburg wegen der Vorwürfe der Hostienschändungen) gab es keine Juden mehr in Ribnitz. Mitte des 18. Jahrhunderts suchten jüdische Familien um Aufenthalt in Ribnitz nach. 1742 siedelten sich drei jüdische Familien wieder an. 1753 erhielten Behrend Hirsch und Salomon Isaak vom mecklenburgischen Herzog die Handelserlaubnis. 1763 lebten neun Männer, sechs Frauen, sieben Kinder unter 12 Jahren sowie eine Dienstperson jüdischen Glaubens in der Stadt. Die Französische Revolution von 1789 mit ihren Ideen von Gleichheit und Freiheit brachte für die Riebnitzer Juden zunächst keine Verbesserungen mit sich. Sie waren weiterhin nur geduldet und zahlreichen Beschränkungen unterworfen, so durften sie auch keine Hausgrundstücke erwerben. Fast alle verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Händler oder Hausierer. Ins naheliegende Schwedisch-Neuvorpommern durften Hausierer nicht gehen, die Stadt Rostock verwehrte Juden generell den Zuzug und den Zutritt zu den Märkten. Nur für den alljährlichen Pfingstmarkt hatten die Ribnitzer Kaufleute Benjamin Wulff, Ascher Wulff, Hirsch Wulff und Simon David eine Konzession, für die sie auch Gebühren entrichten mussten. 1809 wohnten in Ribnitz neun Schutzjuden, 1811/12 lebten 37 erwachsene Juden und 11 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren. 1814 bestimmte ein herzoglicher Erlass, dass Juden erbliche Familiennamen tragen sollten. Ihre Rechtsstellung wurde aber weiterhin als "Schutzjuden" aufrechterhalten.
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich die Situation für die Juden. Sie durften Grundstücke erwerben und erhielten leichter das Zuzugsrecht. Die Zahl der jüdischen Einwohner stieg im Jahre 1863 auf 103 Personen. 1869 erhielten sie durch die Verfassung des Norddeutschen Bundes, dem Mecklenburg beigetreten war, und durch das Gesetz der Gleichberechtigung der Konfessionen die schon lange angestrebte Rechtsgleichheit mit den Christen. Die Stadt Rostock erlaubte nun auch den Zuzug von Juden, was eine Abwanderung aus den Kleinstädten zur Folge hatte, so auch aus Ribnitz, weil in dem größeren Rostock sich bessere Existenzmöglichkeiten ergaben. 1877-80 wohnten noch 78, 1885 noch 67, 1893-1900 noch 53 und 1925 nur noch 16 Juden in Ribnitz.
Über die jüdischen Einwohner in Damgarten ist kaum etwas bekannt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es den Goldschmied Hirsch Liefmann, den Kaufmann Emanuel Müller und den Kaufmann Jacob Samuel. Dessen Nachfahren handelten mit Wolle und Wollwaren, mit Fellen und Unterzeug und boten ihre Produkte auf den Jahrmärkten an. Später handelten sie auch mit Getreide, Futter- und Düngemitteln. Daraus entwickelte sich das "Getreidehaus Gebrüder Samuel GmbH", das bis nach 1930 bestand. 1831 lebten 21 Juden, 1861 16, und 1935 keine Juden mehr in Damgarten.
Die Ribnitzer Synagoge wurde 1803 erbaut, nachdem bis dahin der Gottesdienst in einem Privathaus stattgefunden hatte. Es gab nur einen Vorbeter, der zugleich auch der Religionslehrer und der Schächter war. Die Synagoge war ein schlichter quadratischer Bau und stand in der Büttelstraße. Da die jüdische Gemeinde immer kleiner geworden war, stand die Synagoge schon jahrelang leer, als sie in der Progromnacht 1938 angezündet wurde. Sie wurde bald danach abgetragen.
Der jüdische Friedhof wurde 1885 direkt neben dem städtischen Friedhof in Ribnitz angelegt, und durch eine Mauer getrennt. Seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es keine Bestattungen mehr. In einer Ecke befindet sich heute eine Gedenkstätte. Die Juden in Damgarten hatten keine eigene Begräbnisstätte. Sie gehörten zur Synagoge in Stralsund. Der Weg zum Gottesdienst war weit, der Transport einer Leiche ebenso.
Während des Nationalsozialismus gelang es einigen Juden aus Riebnitz ins Ausland zu fliehen, wie zum Beispiel Kurt Moses 1934 nach Palästina, Dr. Max Lichenheim mit seiner Frau und Adolf Samuel mit seiner Frau 1939 nach Shanghai. Heinz Salomon überlebte das Konzentrationslager, sein Bruder Alfred wurde ermordet. (Text zusammengestellt aus Eleonore Rösel, Ribnitz-Damgarten, in: "Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommer", Berlin 1998)